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Cover "Megamaschine"
Zentralbibliothek
Wall-Saal – Zugang außen über Am Wall
05.06.2019
19:30
Eintritt frei
"Ausstieg aus der Megamaschine - Warum und Wie?"

Der Historiker und Philosoph Fabian Scheidler spricht über Thesen seiner hochaktuellen Bücher "Das Ende der Megamaschine" und "Chaos". Mit anschließender Gelegenheit zum Gespräch.

Veranstalter: ROLAND-Regional Bildung und Wissen e.V.

Fabian Scheidlers inspirierende und gut verständliche Bücher "Das Ende der Megamaschine" (10. Auflage, 2018) und "Chaos" (2017) zeigen deutlich, dass die Kenntnis der Vergangenheit nötig ist, um die Gegenwart zu verstehen. Der Blick dieses Historikers und Philosophen auf Geschichte und Gegenwart ist umfassend – im Gegensatz zu dem Blick des engstirnigen homo oeconomicus, der Welt und Gesellschaft als Maschine versteht und die sogenannten Marktgesetze als Naturgesetze hinstellt. Ebenso im Gegensatz zu solchen Historikern, die nicht nach den Voraussetzungen für das Errichten von Herrschaft fragen – als ob es eine Zeit vor der „Megamaschine“ niemals gegeben hätte. (Den Ausdruck Megamaschine für das heute global herrschende System prägte Lewis Mumford in seinem Buch „Mythos der Maschine“, erschienen 1977.).

Die Macht der von Menschen betriebenen „Megamaschine“, die seit fünftausend Jahren menschliche Gesellschaften und Ökosysteme mehr und mehr zerrüttet und ausbeutet, basiert auf der Verbindung von ökonomischer, militärischer und ideologischer Gewalt. Scheidlers Sicht der Rolle, die bei diesem Prozess u. a. die Fortschritte in der Wissenschaft und die Erfindung des Geldes spielen, ist erhellend: Wissenschaft produziert eben nicht nur Erkenntnisse, sondern verbreitet auch Weltbilder, indem sie definiert, was wirklich, wahr und realistisch ist. Und wenn der antike Staat bewusst Geld und Märkte schuf und benutzte, um seine imperialen Interessen durchzusetzen, so benutzen heute Unternehmen den Staat, um ihre Imperien zu schaffen, sie global auszuweiten und zu erhalten.

Zum Glück bleibt Scheidler nicht bei der Analyse des tödlichen Systems, sondern zeigt auch Möglichkeiten zum Ausstieg aus der Megamaschine. Einen großen Teil von „Chaos“ (2017) nimmt das Kapitel Reorganisation ein. Ohne politisches Engagement, ohne Demokratie von unten, geht es dabei nicht. Hier sieht der Autor neben den Chancen jedoch auch die lauernden Gefahren und hemmenden Faktoren, darunter die Macht der Institutionen, die den Neubeginn verhindern wollen – dabei nicht zu vergessen: die Macht der Waffen. Heute, in der Zeit des Neoliberalismus, in der Vereinzelung, Resignation und Den-Kopf-in-den-Sand-Stecken verbreitet sind, ist das folgende mutmachende Zitat von Fabian Scheidler von besonderer Sprengkraft: „Sachzwänge nicht als Begründungen zu akzeptieren, sondern hinter ihnen die menschlichen Entscheidungen zu erkennen, ist die erste Voraussetzung dafür, die Ohnmacht zu überwinden.“