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»Leihen Sie ein „Lebendes Buch“«
Vahr
20.03.2018
17:00
Eintritt frei
»Leihen Sie ein „Lebendes Buch“«

Wer wirft nicht gerne einen Blick hinter die Kulissen? Bei uns darf man nicht nur alles lesen, sondern auch fragen, was man schon immer wissen wollte: Wir „verleihen“ für 20 Minuten Gesprächszeit mit „Lebenden Büchern“ (das sind echte Menschen mit ungewöhnlichen Lebensläufen, Hobbys oder Berufen). Interviewen Sie z.B. ein „Wandelndes Kunstwerk“, eine blinde Frau oder andere lebende Bücher. – Um Anmeldung unter Tel. 0421 / 361-59877 wird gebeten.

Blindes Vertrauen

Seit meinem 3. Lebensjahr bin ich blind. Aktuell wird mein neuer Blindenhund ausgebildet - gerne erzähle ich mehr darüber, was ihn so besonders macht. Oder erkläre, wie ich Lebensmittel scanne, mit Computer und Telefon arbeite und sonntags im Fernsehen Tatort gucke. Ich arbeite für “Dinner im Dunkeln” (Universum), leite den Stammtisch der Führhundhalter in Bremen und bin Beisitzerin des Blinden- und Sehbehindertenvereins. Mein Hobby ist Segeln.

Zehn Jahre Knast und dann obdachlos

Das ist lange her, aber es prägt mein Leben noch heute! Bin ich als ehemaliger Strafgefangener gefährlich oder sogar gewaltbereit? Wie überzeugt man die Leute davon, dass man zuverlässig ist und wie baut man nach 10 Jahren Knast und anschließender Obdachlosigkeit wieder Vertrauen auf? Als 55-Jähriger lebe ich heute in Gröpelingen und arbeite ehrenamtlich als Streetworker für die Innere Mission. Meine eigene „Szene-Erfahrung“ kommt mir dabei sehr zugute.

Mein weiter Weg vom Kongo nach Deutschland und in die Politik

Wenn die Leute mich sehen, denken sie häufig, dass ich Drogendealer bin oder vor allem gut tanzen und trommeln kann. Auf der Straße werde ich auch oft auf Englisch angesprochen, weil sie denken, dass ich als Afrikaner kein Deutsch spreche. Dass ich Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft bin, erwarten die Wenigsten. Zuvor war ich Kirchenmusiker, gelernter Tischler und Betriebsratsvorsitzender. Außerdem bin ich verheiratet und Vater von 5 Kindern. In meiner politischen Arbeit engagiere ich mich heute vor allem als Kulturpolitiker.

Soldat

Nach dem Abi wurde ich zum Grundwehrdienst einberufen und blieb anschließend als Zeitsoldat bei der Bundeswehr, die mich von 2001-2003 im Ausland einsetzte. Als Soldat hörte ich häufig, dass die Dienstzeit sinnlose Tätigkeit sei, weil sie nur aus Sport oder Rumballern bestehe. Müssen Soldaten alle Befehle stumpf ausführen oder denken sie auch über die Konsequenzen nach? Wie ist es, auf jemanden zu schießen? Nach meinem Studium und einer kaufmännischen Ausbildung arbeite ich heute für den öffentlichen Dienst in Bremen.

Wandelndes Kunstwerk oder Freak?

Seit einigen Jahren habe ich die japanischen Comics (Mangas) für mich entdeckt und somit auch das so genannte Cosplay. Dieses setzt sich aus den Worten Costume und Play zusammen, also Kostümspiel. Ich verkleide mich gerne und schlüpfe in neue Rollen, bin sonst ein offener Mensch, der sehr gerne liest und sich sein Hobby zum Beruf gemacht hat: Die Arbeit mit Büchern. Die meisten Vorurteile sind, dass Cosplayer nur knapp bekleidet sind und dies meist mit dem sexuellen Rollenspiel gleichgesetzt wird. Die Verkleideten selbst werden oft als Freaks angesehen, nicht normal, kindisch und so weiter.